Das Thermalwasser
Entdeckt wurde die wasserreichste Akratotherme Europas vor 800 Jahren. Und kein Geringerer als Paracelsus selbst würdigte ihre heilende Wirkung, als er 1535 die Quelle besuchte. Das Thermalwasser sprudelt, nachdem es rund vierzehn Jahre lang durch die Alpen gesickert ist, mit einer Temperatur von 36.5°C aus der Quelle.Die Tamina Therme ist nach Art. 40 im Krankenversicherungsgesetz ein vom Bund anerkanntes Heilbad.
Chemische Eigenschaften des Thermalwassers
Von der Zusammensetzung her gehört das ortsgebundene Bad Ragazer Heilwasser zu der Hauptgruppe der Chlorid-Hydrogencarbonat-Sulfat-Wässer. Neben diesen Hauptbestandteilen finden sich Spurenelemente wie Eisen-, Fluorid-, Iodid-Ionen, aber auch Sulfid-Schwefel. Das Wildwasser ist gemäss der Wasserinhaltsstoffe eine Akratotherme (< 1000 mg Mineralien/l, Temperatur > 20°C) und hat sich bei Beschwerden am Bewegungsapparat oder bei Erkrankungen des Muskulo-Skeletal-Systems bewährt.
Physikalische Eigenschaften des Thermalwassers
Das Eintauchen in Wasser bedeutet eine veränderte physikalische Umwelt für den Körper. Zu den physikalischen Eigenschaften des Wassers gehören der Wasserdruck, der Auftrieb, die Wasserdichte und die thermischen Bedingungen. Diese veranlassen den Körper zu vielseitigen Reaktionen, wobei Herz, Lungen, Kreislauf, Nieren, Motorik, Blut und Hormone involviert sind. Die wichtigsten Wirkungen umfassen: Abnahme der Wandspannung in den Widerstandsgefässen der Beine (30%), Durchblutungsanstieg (30%), verbesserte Verteilung der Lungenaustauschfläche (Lungendurchblutung und –belüftung), Abnahme des arteriellen Blutdrucks, Zunahme der Herzfunktion (Schlagvolumen und Herzzeitvolumen nehmen um 25% zu). Der Aufenthalt im Wasser führt zu einer Lockerung der Muskulatur und des Bindegewebes. Nicht-entzündlich bedingte Schmerzen werden beseitigt und die Wirbelsäulen- und Extremitätenbeweglichkeit wird verbessert.
Kalt – und Warmwassergrotte 17° C / 39° C
Wirkung auf unseren Körper
Durch die thermischen Reizeinwirkungen werden Gefässreaktion und Durchblutung trainiert. Beim Kaltreiz ziehen sich die Gefässe zusammen und beim Warmreiz werden sie wieder weit gestellt. Im erwärmten oder gekühlten Gewebe kommt es zur Steigerung von Stoffwechselprozessen, auch sind hormonelle Reaktionen die Folge.
Unterstützend bei der Heilung von
Krampfadern, Schwellungen (Flüssigkeit im Gewebe mit Abflussstörung), Kreislaufregulationsstörungen, Fussschweiss und Infekten. Eine anpassungsfähige Herz-Kreislaufregulation wird vorausgesetzt.
Bei welchen Erkrankungen sollte das Bad gemieden werden?
Reizblase, Harnweginfekten, Fieberzuständen, Entzündung innerer Organe, nicht kompensierte Herz- und Kreislauferkrankungen, Herzkrankheit mit Anstieg des Gefässwiderstands im Lungenkreislauf oder Bluthochdruck mit schweren Organschäden.
So wird’s gemacht
Zuerst den Körper ca. 15 Sekunden bis 1 Minute in die Kaltwassergrotte (17°C) tauchen. Danach ca. 1 bis 3 Minuten in die Warmwassergrotte (39°C). Die Anwendung ca. 2 bis 3 Mal im Wechsel kalt – warm wiederholen. Kälteanwendungen nur bei körperwarmem Körper vornehmen.
Vorsichtsmassnahmen
Da bei der Störung des Wärmehaushaltes im Körper der Kreislauf stark belastet wird, kann es zu einem Kollaps kommen. Sollte es Ihnen vor den Augen schwarz werden, sofort in die Hocke gehen, um einen Sturz zu vermeiden. Wer noch keine Erfahrung mit Wechselbädern hat, soll mit dem Warmwasserbad beginnen und dann mit einem kurzen Kaltwasserbad weiter fahren. Bei langer Kaltanwendung können dem Körper beträchtliche Wärmemengen entzogen werden. Auskühlung deswegen vermeiden (Gefahr von Erkältung). Der Kälte- sowie der Wärmereiz sind kurz zu halten, da eine Überwärmung zu Kreislaufbelastungen führen kann.
Gut zu wissen
Die Kältebelastung soll zitterfrei reguliert und trainiert werden. Steigen Sie die Treppen im Becken zügig abwärts, damit spontane thermische Gegenreaktionen im Körper ausgelöst werden. Da sich die Gefässe erweitern, wird bei der Wiederholung des Ablaufes der Kältereiz weniger intensiv empfunden als zu Beginn. Trotzdem darf die Abkühlung nicht übertrieben werden. Nach der Kälteanwendung ist die Haut durch die reaktive Durchblutung leicht gerötet, wobei ein Wärmegefühl entsteht. Blasse oder marmorierte Haut weist auf ein ungenügendes Reaktionsvermögen hin oder die erfolgte Kälte-/Wärmezufuhr war nicht entsprechend lang. Da der Körper sich am Morgen langsam aufwärmt und am Abend und in der Nacht abkühlt, wird Kälte am Vormittag und Wärme am Nachmittag schlechter vertragen.
Attraktionsbecken 34° C, Aussenbad 34°C
Wirkung auf unseren Körper
Die Wärme wirkt sich günstig auf den Bewegungsapparat und die Entspannungsfähigkeit aus. Der Körper muss bei dieser „Behaglichkeitstemperatur“ weder Wärme produzieren, noch überflüssige Wärme abgeben. Die Körpertemperatur bleibt also konstant.
Unterstützend bei der Heilung von
Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Haltungs- und Bewegungsstörungen, Rehabilitation nach Operationen am Bewegungsapparat, Herz-Kreislauf-Regulationsstörungen, Störungen im vegetativ-hormonellen System.
Bei welchen Erkrankungen sollte das Bad gemieden werden?
Schwere Herzinsuffizienz (-NYHA), ein stark erhöhter Blutdruck (RR>180/110) und schwere Atembehinderung.
So wird’s gemacht
Ab 45 Minuten (empfohlene Mindestaufenthaltsdauer) ist der Höhepunkt der hormonell vermittelten Reaktionen erreicht. In der thermoneutralen Umgebung von 34.5° C empfehlen sich dynamische Bewegungsübungen. Besonders entspannend ist das Gefühl der Schwerelosigkeit beim Floaten auf der Oberfläche des Thermalwassers. Die Düsen im Attraktionsbad können zur Unterwasser-Druckstrahlmassage genutzt werden, wobei der Gewebestoffwechsel angeregt wird. Je nach beabsichtigter Tiefenwirkung ist der Haut-Düsen-Abstand anzupassen. Es wird ein Druck von 0.5 bis 1.5 atü. empfohlen. Die Druckstrahlmassage hilft bei verhärteten Muskeln sowie eingeschränkter Beweglichkeit von Gelenken.
Vorsichtsmassnahmen
Ein längerer Badeaufenthalt verlangt auf Grund des Harndrangs eine geeignete Flüssigkeitszufuhr (idealerweise Thermalwasser).
Bewegungsbecken
(Sport-Innenbad) 32° C
Wirkung auf unseren Körper
Der entscheidende Vorteil der Bewegung im Wasser gegenüber dem Trockenen liegt in der gezielten Be- und Entlastung des Haltungs- und Bewegungsapparates vor allem bei gleichzeitigem Übergewicht sowie neurologischen Erkrankungen. Wegen des nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen Schmerz, Muskelverspannung und Wohlbefinden wird der Effekt des wärmeren Wassers (32°C) gegenüber normalen Schwimmbadtemperaturen (26 – 28°C) als zusätzlicher Wirkfaktor eingesetzt. In der Wasserumgebung werden nach neuesten Erkenntnissen Herzhormone ausgeschieden, die die Fettverbrennung steigern.
Heilwirkung
Führungswiderstände und Druckentlastung
ermöglichen im Wasser eine schmerzfreie Bewegungsführung. Bewegung lindert
Schmerzen und beugt Krankheiten vor. Ausserdem ist Bewegung die Grundlage für
das Training der Lunge, der Kreislauforgane und dem Blut.
Was spricht für ein Training im Wasser?
- Schmerzlinderung, nicht wärmebedingt,
dadurch aber steigerbar
- Gelenkentlastung, 90 % ermöglicht
Stoffwechseltraining bei muskuloskeletalen Problemen
- Muskelstimulation
- Keine Sturzgefährdung und Sturzprophylaxe
- Ideale Venenfunktion durch externe Kompression
- Durchblutungssteigerung, arteriell, arteriolär, um 30 % o Gewebeentwässerung, Ausnahme bei schwerer Herzinsuffizienz
- Geringerer Blutdruckanstieg
- Geringere Milchsäureproduktion bei gleicher Leistung
- Atemmuskeltraining bei Erleichterung der Ausatmung
- Auftrieb für die Psyche
- Beckenbodenmuskeltraining immer integriert
- Mechanotherapie der Haut und der Unterhaut bis zur Muskulatur
Bei welchen Erkrankungen sollte das Bad gemieden werden?
Schwere Herzinsuffizienz.
So wird’s gemacht
Vielfältige Bewegungsangebote wie Aqua Fitness, Aqua Cycling und Aqua Power sind dem Kursprogramm zu entnehmen. Der Wasserwiderstand als Bremsfaktor ist bestens geeignet für die Durchführung von Übungen zur Sturzprophylaxe. Die Nutzung des Wasserwiderstandes bedeutet Kraft gegen die Bewegungsrichtung – damit sind die Bedingungen für kräftigende Übungen im Wasser (am besten mit Flächenvergrösserung an Hand und Fuss oder Auftriebskörpern) gegeben.
Vorsichtsmassnahmen
Beim Schwimmen sollte bei Herzschwäche eine Mindestbelastbarkeit auf dem Landergometer von 100 Watt erreicht werden. Für dosierte Wassergymnastikprogramme genügen 70 Watt. Für einen medikamentös eingestellten, erhöhten Blutdruck besteht kein Einwand für Aktivität im Wasser, im Gegenteil, das Bewegungsbad wird für die Regulierung und Normalisierung des Blutdrucks ausdrücklich empfohlen. Für Personen mit Atemproblemen bedeutet der Wasseraufenthalt ein ergänzendes spezifisches Atemmuskeltraining (vor allem bei allen obstruktiven Formen wie Asthma bronchiale), allerdings ist bei einer Atemrestriktion eher Zurückhaltung geboten (vorherige ärztliche Abklärung bei schwerer Atembehinderung). Für die Wasseraufbereitung wird in der Tamina Therme nur wenig Chlor eingesetzt, weswegen auch Personen mit einem hyperreagiblen Bronchialsystem profitieren.
Gut zu wissen
Bei einem Ausdauertraining im Wasser kann die Trainingsintensität über die Herzfrequenz bestimmt werden. Die für Land empfohlene Trainingsherzfrequenz kann bei thermoindifferenter Wassertemperatur (30 – 32°C) übernommen werden. Bei niedrigeren Schwimmbadtemperaturen stellt sich wegen der erhöhten Wandspannung in den Schlagadern und Venen der Trainingspuls vergleichsweise niedriger ein. Auch ist beim Schwimmen wegen der vorwiegenden Armarbeit der Puls niedriger anzusetzen.
Separates Sprudelbecken 36.5°C und Sprudelbecken
im Aussenbad 34°C
Wirkung auf unseren Körper
Durch den konvektiven Wärmestrom ist der Wärmeübergang intensiver. Die rasche Zunahme der Hautdurchblutung macht sich als ausgeprägtes Wärmegefühl bemerkbar. Die perlenden Luftbläschen halten die Sinneshaare in ständiger Bewegung, wodurch Nervenendigungen mechanisch gereizt werden. Diese sinnesphysiologische Wahrnehmung und die dabei tiefe Atmung (ausgeprägte Blutdruckschwankungen) stimulieren das Vegetativum, was den Schmerz hemmt.
Heilwirkung
In heissen Sprudelbädern bessern sich die Stoffwechselparameter bei Diabetikern. Im Whirlbad wird der Blutdruck gesenkt. An schlechtheilenden Wunden werden Keime reduziert.
Vorsichtsmassnahmen
Gleich wie beim normalen Vollbad.
Gut zu wissen
34°C (Aussenbereich): anregende, erfrischende und entmüdende Wirkung, regenerative Wirkung auf Muskelkater. 37°C (Innenbereich): entspannter, beruhigender, schlaffördernder Effekt (Vagotonie).
Sauna- und Dampfbäder
Wirkung auf unseren Körper
Durch die Wärmebildung wird eine Gefässerweiterung verursacht und eine Umverteilung des Blutes in die Hautstrombahn findet statt. Zusätzlich werden Herz- und Blutkreislauf aktiviert und die Zufuhr von Sauerstoff, Nährstoffen und Antikörpern wird erhöht. Durch die ansteigende Körpertemperatur entsteht ein Wärmerückstau, welcher sich auf die hormonellen Regelkreise auswirkt und Prozesse des Immunsystems anstösst. Die Dehnbarkeit von Bindegewebe, Sehnen und Bändern nimmt zu, was zu einer verbesserten Beweglichkeit führt. Wärme ist schmerzlindernd und regt die Durchblutung und den Stoffwechsel an. Nach der Wärmeanwendung folgt eine Abkühlung des Körpers, was die Regulation von Herz- und Kreislauf auslöst. Diese Wirkungen werden bereits beim Kalt- und Warmwasserbad erläutert
Unterstützt bei der Heilung von Problemen mit
Wärmehaushalt des Körpers, Haut-und Schweissbildung, Atemwege, Herz- und Blutkreislauf.
Bei welchen Erkrankungen sollte das Bad gemieden werden?
Postoperative Schwellungen, Lymphschwellungen, arterielle Durchblutungsstörungen und Entzündungen. Herzpatienten und Personen mit einem zu hohen Blutdruck sollten auf intensive Kaltreize beim Abkühlen verzichten (Blutdruckspitzen).
So wird’s gemacht
Um Wärme im Körper zu erzeugen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Entweder durch Temperatur, Luftfeuchte oder empfohlener Aufenthaltsdauer. Massgebend für die Wahl des Bad- oder Saunabesuches sind die Faktoren Lebensalter (Reaktionsträgheit mit zunehmendem Alter), Geschlecht (Gefässreagibilität bei Frauen besser ausgeprägt), Konstitution (Wärme-Isolation der Hautschichten), Tageszeit (Wärme wird vormittags besser ertragen) und thermischer Trainingszustand.
Vor dem ersten Saunagang wird ein warmes Fussbad empfohlen. Danach die Haut trocken frottieren. Auf der untersten Bank steigt (bei dadurch verlängerter Aufenthaltsdauer) die Herzbelastung, weswegen man sich besser auf der zweiten Bank hinlegt. Ein ausreichend grosses Handtuch ist aus hygienischen Gründen obligatorisch. Ein Aufguss bewirkt jetzt einen Wasserniederschlag auf der Haut und löst einen zusätzlichen Wärmereiz aus. Vor dem Verlassen der Sauna den Körper langsam aufrichten, um einen Kreislaufkollaps zu vermeiden.
Insgesamt soll ein Saunagang 8 Minuten, höchstens aber 12 – 15 Minuten, dauern. Beim Zweiphasenbad folgt danach die Abkühlung mit einer kalten Dusche und einem Gang an die frische Luft (vorher den Körper gut abtrocknen). Beim Duschen die Brause bzw. den Strahl immer in Richtung Herz bewegen. Empfehlenswert ist es, danach ein warmes Fussbad zu nehmen, weil dies die reaktive Durchblutung nach dem Kaltreiz unterstützt. Sollten Sie noch nachschwitzen, können Sie diese die Kälteanwendung noch einmal wiederholen. Danach bedecken Sie Ihren Körper und gönnen sich Liegeruhe in einem der Ruheräume.
Das ganze Saunawechselbad kann zwei- bis dreimal wiederholt werden. Weitere Male bringen keinen Zusatznutzen und ermüdet sehr stark.
